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Das Altersvorsorgedepot kommt — Riester-Reform 2026 für Sparer erklärt

Was ist die Riester-Reform — und warum jetzt?

Nach über 20 Jahren hatte die Riester-Rente ihren Zenit längst überschritten. Hohe Kosten, starre Garantiepflicht, sinkende Renditen und ein immer bürokratischeres Zulagensystem hatten dazu geführt, dass viele Deutsche ihrer privaten Altersvorsorge misstrauisch gegenüberstanden. Die Lösung kam in Form einer umfassenden Gesetzgebung: Der Bundestag beschloss am 27. März 2026 die Reform der privaten Altersvorsorge, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu.

Das Ergebnis ist das neue Altersvorsorgedepot — ein staatlich gefördertes Investmentkonto, das ab dem 1. Januar 2027 für alle Bürgerinnen und Bürger, erstmals auch Selbstständige, zugänglich sein wird. Der entscheidende Unterschied zur Riester-Rente: Riester-typische Garantien sind nicht mehr verpflichtend, und ETF-Investitionen werden ausdrücklich gefördert.

Wichtig: Bis zum 31. Dezember 2026 können noch Riester-Verträge nach alten Konditionen abgeschlossen werden. Ab 2027 gibt es keine Neuabschlüsse mehr.

So funktioniert die staatliche Förderung

Das Herzstück der Reform ist eine neu gestaltete staatliche Förderung. Statt einer festen Grundzulage wie bei Riester (früher 175 Euro) gibt es künftig eine prozentuale Bezuschussung — je nach eingezahltem Betrag:

Hinzu kommen Kinderzulagen: 300 Euro pro Kind und Jahr, die bereits ab einem monatlichen Eigenbeitrag von 25 Euro vollständig gewährt werden. Wer also zwei Kinder hat und monatlich mindestens 150 Euro einzahlt, erhält vom Staat insgesamt bis zu 1.140 Euro im Jahr als Förderung — mehr als doppelt so viel wie beim alten Riester-Modell.

Für junge Sparer gibt es zusätzlich einen Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro — einmalig für alle, die vor dem 25. Geburtstag ihren ersten Altersvorsorgedepot-Vertrag abschließen.

ETFs statt Garantien — mehr Rendite, mehr Risiko

Der fundamentale Unterschied zum alten Riester-Modell liegt in der Investitionsstrategie. Riester-Produkte mussten mindestens die eingezahlten Beiträge plus Zulagen zum Rentenbeginn garantieren. Das klingt sicher — hat aber seinen Preis: Die Garantie zwang Anbieter dazu, konservativ zu investieren, was die Renditen über Jahrzehnte deutlich schmälerte.

Das Altersvorsorgedepot kennt diese Pflicht nicht mehr. Sparer können ihr Geld vollständig in breit gestreute ETFs auf globale Aktienindizes investieren. Wer 30 Jahre lang in einen MSCI-World-ETF investiert hat, erzielte historisch Renditen von 7 bis 9 % pro Jahr — weit mehr als typische Riester-Produkte je geliefert haben.

Der Haken: Kursrückgänge kurz vor der Rente sind möglich. Deshalb sieht das Gesetz eine automatische Umschichtung in sicherere Anlagen vor, je näher der Rentenbeginn rückt — ähnlich dem Lebenszyklus-Prinzip, das viele Robo-Advisor bereits heute anwenden. Als Kostenschutz gilt ein gesetzlicher Effektivkostendeckel von 1 % pro Jahr. Alte Riester-Verträge haben teils 1,5 bis 2,5 % Kosten per annum kassiert — über 30 Jahre ein massiver Renditekiller.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, muss sich keine Sorgen um sein angespartes Kapital machen. Der Staat garantiert vollständigen Bestandsschutz — keine Zwangsumwandlung, kein Verlust von Zulagen oder Steuervorteilen. Konkret haben Riester-Sparer drei Möglichkeiten:

Option 1 — Weiterführen wie bisher

Bestehende Riester-Verträge können unverändert weitergeführt werden, nach alten Konditionen und mit dem bisherigen Anbieter. Diese Option lohnt sich vor allem dann, wenn der Vertrag günstige Konditionen hat oder kurz vor der Auszahlungsphase steht.

Option 2 — In ein Altersvorsorgedepot übertragen

Das angesparte Kapital lässt sich vollständig in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen, ohne dass erhaltene Zulagen zurückgezahlt werden müssen. Alle bisher erhaltenen Steuervorteile bleiben erhalten. Der Wechsel darf maximal 150 Euro kosten und ist nach fünf Jahren beim neuen Anbieter sogar kostenfrei. Diese Option empfiehlt sich vor allem für Sparer, die noch 15 oder mehr Jahre bis zur Rente haben und von höheren ETF-Renditen profitieren möchten.

Option 3 — Beitragsfrei stellen und parallel neu starten

Wer seinen Riester-Vertrag nicht kündigen möchte, aber trotzdem in das neue System einsteigen will, kann den Riester-Vertrag beitragsfrei stellen und parallel ein Altersvorsorgedepot eröffnen. Das angesparte Kapital bleibt erhalten, während neue Beiträge mit der besseren Förderstruktur angelegt werden.

Für wen lohnt sich der Wechsel?

Nicht für jeden Riester-Sparer ist ein Wechsel sinnvoll. Die wichtigsten Entscheidungskriterien:

Grundsätzlich gilt: Nicht überstürzt entscheiden. Es gibt keine Frist für die Übertragung; das Altersvorsorgedepot startet erst am 1. Januar 2027, und Übertragungen sind zu jedem späteren Zeitpunkt möglich.

Was Sie jetzt konkret tun sollten

Auch wenn das neue Altersvorsorgedepot erst 2027 startet, gibt es gute Gründe, schon heute aktiv zu werden:

Fazit

Die Einführung des Altersvorsorgedepots ist eine der bedeutendsten Reformen im deutschen Vorsorgesystem seit Jahren. Günstigere Kosten dank 1-%-Kostendeckel, bessere Renditeaussichten durch ETFs und großzügigere Förderung für Familien — das sind echte Fortschritte gegenüber der oft kritisierten Riester-Rente. Wer Riester-Sparer ist, sollte die Zeit bis Januar 2027 nutzen, um seinen Vertrag zu analysieren und eine fundierte Entscheidung zu treffen. Wer noch gar nicht für das Alter vorsorgt, hat mit dem Altersvorsorgedepot ab 2027 ein attraktives Einstiegsprodukt — staatlich gefördert, kostengünstig und renditestark.

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