Zwei Zahlen, ein Kredit – und ein wichtiger Unterschied
Wenn Sie sich für einen Kredit interessieren, sehen Sie oft zwei verschiedene Prozentzahlen nebeneinander: den Sollzins und den effektiven Jahreszins. Beide klingen ähnlich, bedeuten aber nicht dasselbe. Und genau dieser Unterschied kann darüber entscheiden, ob ein Kredit am Ende mehr oder weniger kostet, als es auf den ersten Blick scheint.
Keine Sorge: Sie müssen dafür nicht rechnen können wie ein Bankangestellter. Es reicht, wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen. Genau das erklären wir hier, Schritt für Schritt.
Was ist der Sollzins?
Der Sollzins ist die reine Zinsrate, die für einen Kredit berechnet wird. Er sagt Ihnen, wie viel Prozent Zinsen Sie pro Jahr auf den geliehenen Betrag zahlen – und zwar nur die Zinsen, ohne weitere Kosten.
Beispiel: Leihen Sie sich Geld zu einem Sollzins von 4,00 Prozent, dann fließen 4,00 Prozent pro Jahr als reine Zinskosten in die Berechnung ein. Klingt einfach – und das ist auch der Punkt: Der Sollzins zeigt nur einen Teil der Wahrheit.
Was ist der effektive Jahreszins?
Der effektive Jahreszins – manchmal auch Effektivzins oder auf Englisch APR (Annual Percentage Rate) genannt – geht weiter. Er bezieht neben dem reinen Zins auch alle anderen Kosten mit ein, die mit dem Kredit verbunden sind. Dazu gehören zum Beispiel:
- einmalige Bearbeitungsgebühren (Kosten, die für die Kreditvergabe verlangt werden)
- der genaue Zeitpunkt der Ratenzahlungen – zahlen Sie monatlich, vierteljährlich oder jährlich zurück, wirkt sich das auf die tatsächlichen Kosten aus
- eventuelle weitere Gebühren, die im Kreditvertrag festgelegt sind
Der effektive Jahreszins fasst all das in einer einzigen Prozentzahl zusammen. Deshalb ist er meist höher als der Sollzins – er zeigt, was der Kredit Sie wirklich kostet, nicht nur den reinen Zinsanteil.
Warum unterscheiden sich die beiden Werte?
Zwei Kredite können denselben Sollzins haben und trotzdem unterschiedlich teuer sein. Der Grund: unterschiedliche Gebühren oder unterschiedliche Rückzahlungsbedingungen. Der Sollzins allein zeigt das nicht. Der effektive Jahreszins schon.
In Deutschland sind Banken gesetzlich verpflichtet, den effektiven Jahreszins bei jedem Kreditangebot anzugeben – genau damit Sie als Kundin oder Kunde die tatsächlichen Kosten erkennen und verschiedene Angebote fair vergleichen können.
Ein Rechenbeispiel
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Nehmen wir an, Sie leihen sich 10.000 Euro für eine Laufzeit von 4 Jahren.
Der Anbieter nennt einen Sollzins von 4,00 Prozent pro Jahr. Rechnet man diesen Zins grob auf die gesamte Laufzeit hoch, kommt man auf ungefähr 800 Euro Zinskosten (vereinfacht gerechnet – in der Praxis sinkt die Restschuld mit jeder Rate, sodass die tatsächlichen Zinsen etwas anders verteilt sind).
Nun kommt eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 200 Euro hinzu, die bei Auszahlung des Kredits abgezogen wird. Diese Gebühr taucht im Sollzins gar nicht auf – wohl aber im effektiven Jahreszins. Dadurch steigt der effektive Jahreszins in diesem Beispiel auf etwa 4,50 Prozent.
Der Unterschied zwischen 4,00 und 4,50 Prozent wirkt klein. Aber er zeigt konkret: Statt der erwarteten rund 800 Euro zahlen Sie über die Laufzeit tatsächlich etwa 1.000 Euro für diesen Kredit – die 800 Euro Zinsen plus die 200 Euro Gebühr. Ohne den effektiven Jahreszins hätten Sie diese zusätzlichen Kosten leicht übersehen können.
Warum Sie immer den effektiven Jahreszins vergleichen sollten
Wenn Sie mehrere Kreditangebote nebeneinander betrachten, schauen Sie deshalb nicht nur auf den Sollzins. Er zeigt nur einen Ausschnitt. Der effektive Jahreszins zeigt die vollständigen Kosten in einer Zahl – und macht Angebote dadurch wirklich vergleichbar.
Ein niedriger Sollzins mit hohen Gebühren kann am Ende teurer sein als ein etwas höherer Sollzins ohne zusätzliche Kosten. Erst der effektive Jahreszins macht das sichtbar.
Kurz zusammengefasst
Wenn Sie sich einen Überblick über verschiedene Kreditarten verschaffen möchten, finden Sie eine Übersicht unter /kredite.