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MARKTKOMMENTAR

EY-Bankenbarometer 2026: Banken misstrauen der Konjunktur, vertrauen sich selbst

Das EY-Bankenbarometer 2026 zeigt: Banken erwarten einen Wirtschaftsabschwung, sehen sich selbst aber robust – mit Folgen für Kreditvergabe und Zinsen. Die KfW meldet einen Förder-Rekord. Eine Einordnung für Sparer und Kreditnehmer.

LH
Lukas Hoffmann · 7 August 2026 · 6 Min. Lesezeit
EY-Bankenbarometer 2026: Banken misstrauen der Konjunktur, vertrauen sich selbst
Das Wichtigste in Kürze
Zwei getrennte Rechnungen: die eigene Bilanz und die Volkswirtschaft
Kostendisziplin statt Wachstumseuphorie
Restriktivere Kreditvergabe als logische Konsequenz
Der Gegentrend: Die KfW meldet Rekordvolumen

Vorsicht oben, Stabilität unten: ein gespaltener Befund

Wenn man deutschen Banken glaubt, steuert die Wirtschaft auf schwierigere Monate zu — sie selbst aber stehen glänzend da. Genau dieses Spannungsfeld zeigt das EY-Bankenbarometer 2026, das die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY am 4. August 2026 veröffentlicht hat. Für die Studie wurden 100 in Deutschland tätige Kreditinstitute befragt, von Sparkassen über Genossenschaftsbanken bis zu Privatbanken. Das Ergebnis liest sich wie ein Widerspruch, ist in Wahrheit aber eine sehr präzise Momentaufnahme der aktuellen Lage: Nur 17 Prozent der Institute erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine leichte konjunkturelle Verbesserung. 56 Prozent rechnen dagegen mit einem Abschwung — 47 Prozent mit einem leichten, 9 Prozent sogar mit einem deutlichen. Eine derart pessimistische Grundstimmung gab es laut Marktbeobachtern zuletzt im Sommer 2019, also noch vor der Pandemie.

Gleichzeitig bewerten 78 Prozent der befragten Institute ihre eigene aktuelle Geschäftsentwicklung als positiv, 9 Prozent sogar als sehr positiv. Zusammengenommen sehen sich also fast neun von zehn Banken operativ auf solidem Boden — trotz der düsteren Konjunkturaussichten. Wie passt das zusammen?

Zwei getrennte Rechnungen: die eigene Bilanz und die Volkswirtschaft

Kostendisziplin statt Wachstumseuphorie

EY-Managing-Partner Ralf Eckert bringt den scheinbaren Widerspruch auf den Punkt: Banken unterscheiden klar zwischen der gesamtwirtschaftlichen Situation und ihrer eigenen Verfassung. Sie hätten in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben bei Effizienz und Kostendisziplin gemacht und stünden operativ stabil da. Gleichzeitig rechne die klare Mehrheit mit steigenden Kreditrisiken und wolle vorsichtiger vergeben. Mit anderen Worten: Die Institute haben ihre eigenen Bilanzen aufgeräumt, Kapitalpuffer aufgebaut und Prozesse gestrafft — genau das erlaubt ihnen jetzt, auf eine schwächere Konjunktur mit Zurückhaltung statt mit Panik zu reagieren. Diese Trennung zwischen der eigenen Verfassung und der Einschätzung der Gesamtwirtschaft ist keine neue Übung für die Institute, aber selten war die Kluft zwischen beiden Werten so groß wie in diesem Sommer.

Restriktivere Kreditvergabe als logische Konsequenz

Für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Unternehmen ist genau dieser Punkt der eigentlich relevante Teil der Studie: 63 Prozent der befragten Banken erwarten, dass die Kreditvergabe an Unternehmen in den kommenden sechs Monaten restriktiver wird, weitere 36 Prozent gehen von unveränderten Bedingungen aus. Praktisch heißt das: mehr verlangte Sicherheiten, genauere Prüfung der Bonität, womöglich engere Zinsspannen bei schwächeren Risikoprofilen — unabhängig davon, wohin sich die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank in den kommenden Monaten bewegen. Wer aktuell einen Kredit plant oder eine Baufinanzierung anstößt, sollte diese Verschärfung einkalkulieren — nicht als Drohszenario, sondern als realistische Erwartung für Herbst und Winter 2026.

Der Gegentrend: Die KfW meldet Rekordvolumen

Während die Geschäftsbanken vorsichtiger werden, zeigt die staatliche Förderbank KfW in die entgegengesetzte Richtung. Im ersten Halbjahr 2026 vergab sie Neuzusagen in Höhe von 57,7 Milliarden Euro — ein Plus von rund 46 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und nach eigenen Angaben ein Rekordwert für ein erstes Halbjahr. Besonders stark war die Nachfrage nach Förderkrediten für kleine und mittlere Unternehmen im Bereich Klimaschutz und Umwelt, die sich von 5,3 auf 11,2 Milliarden Euro mehr als verdoppelte. Auch im Geschäft mit Privatkunden und im Mittelstandskredit zog das Volumen deutlich an.

Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Widerspruch zum eher zurückhaltenden EY-Bankenbarometer. Tatsächlich ergänzen sich beide Entwicklungen aber eher, als dass sie sich widersprechen: Die KfW springt genau dort ein, wo Geschäftsbanken vorsichtiger werden — mit staatlichen Garantien im Rücken, die das Risiko für die durchleitenden Hausbanken deutlich reduzieren. Viele KfW-Kredite laufen über genau jene Geschäftsbanken, die sich im Bankenbarometer selbst zurückhaltender äußern; über die Förderbank können sie Finanzierungen vermitteln, ohne das volle Ausfallrisiko allein zu tragen. Der Rekordwert der KfW ist damit weniger ein Zeichen für breiten Optimismus als vielmehr ein Symptom dafür, wie sehr staatliche Absicherung in einem vorsichtigeren Marktumfeld an Bedeutung gewinnt.

Was heißt das konkret für Verbraucher und Unternehmen?

Für Kreditnehmer: früher planen, breiter vergleichen

Wenn Banken ihre Vergabekriterien verschärfen, verlängern sich in aller Regel auch die Bearbeitungszeiten, und die Unterschiede zwischen den Anbietern werden größer — ein Institut mit solider eigener Kapitalausstattung kann es sich eher leisten, an einem Kunden festzuhalten, als ein Haus, das selbst stärker unter Druck steht. Genau deshalb lohnt sich jetzt ein genauerer Blick über den Tellerrand der Hausbank hinaus. Wer eine Anschaffung, eine Immobilie oder eine Umschuldung plant, sollte sich nicht auf ein einziges Angebot verlassen, sondern mehrere Konditionen parallel einholen. Ein Vergleich aktueller Kreditangebote zeigt, wie unterschiedlich Banken derzeit auf dieselbe Risikolage reagieren — die Bandbreite bei Zinssätzen und Nebenkosten kann gerade jetzt größer ausfallen als in ruhigeren Marktphasen. Bei der Baufinanzierung gilt das erst recht, da hier ohnehin meist mehrere Angebote eingeholt werden sollten — ein Verzicht darauf kostet in einem strafferen Marktumfeld schnell mehrere Tausend Euro über die gesamte Laufzeit.

Für Sparer: Stabilität ist kein Renditeversprechen

Dass sich Banken selbst als robust einschätzen, ist für Kontoinhaber und Sparer zunächst eine beruhigende Nachricht — sie sagt aber nichts über die Höhe der angebotenen Zinsen aus. Die Konditionen für Tages- und Festgeld hängen weiterhin in erster Linie am Kurs der Europäischen Zentralbank und am Wettbewerb zwischen den Anbietern, nicht an der individuellen Vorsicht einer einzelnen Bank. Gerade weil Institute laut Bankenbarometer verstärkt auf Effizienz und auf stabile Kundeneinlagen als Finanzierungsquelle setzen, kann es sich für Sparerinnen und Sparer lohnen, gezielt nach Häusern zu suchen, die aktuell aktiv um Einlagen werben — oft sind das nicht die traditionsreichsten Namen im Markt. Ein Blick auf aktuelle Sparkonten und Festgeldangebote lohnt sich deshalb gerade jetzt, wo die Konditionen zwischen den Anbietern spürbar auseinanderlaufen. Auch beim laufenden Girokonto zahlt sich ein Vergleich aus: Wenn Banken stärker auf Kosteneffizienz achten, werden Kontogebühren und Sonderkonditionen bei manchen Häusern eher angepasst als bei anderen.

Der Blick nach vorn: mehr Fusionen, mehr ausländische Konkurrenz

Ein weiterer Aspekt des Bankenbarometers rundet das Bild ab: Die befragten Institute erwarten den größten künftigen Wettbewerbsdruck nicht von deutschen Konkurrenten, sondern von ausländischen Banken, die zunehmend auf den deutschen Markt drängen. Gleichzeitig rechnen viele Institute mit einer Beschleunigung der Fusions- und Übernahmeaktivität in der Branche. Beides passt ins Bild eines Sektors, der sich intern konsolidiert, um von außen widerstandsfähiger zu wirken — während er gegenüber der Konjunktur vorsichtiger auftritt als seit Jahren.

Fazit: Vorsicht ist kein Grund zur Panik — aber ein Grund zum genauen Hinschauen

Das EY-Bankenbarometer 2026 zeichnet kein Bild einer Branche in der Krise. Es zeigt vielmehr ein Finanzsystem, das aus den Turbulenzen der vergangenen Jahre gelernt hat: solide kapitalisiert, kosteneffizient und in der Lage, eine schwächere Konjunktur ohne akute Schieflage zu verkraften. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das aber keine Entwarnung in Sachen Konditionen. Die Kreditvergabe wird selektiver, während staatliche Programme wie die KfW-Förderkredite als Ausgleichsventil an Bedeutung gewinnen. Wer in den kommenden Monaten einen Kredit aufnehmen, eine Immobilie finanzieren oder sein Erspartes sinnvoll anlegen möchte, fährt am besten damit, aktiv zu vergleichen, statt sich allein auf die Hausbank zu verlassen. BankSorter.com hilft dabei, sich in diesem unübersichtlicher gewordenen Marktumfeld zu orientieren.

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Lukas Hoffmann
Finanzexperte