Ein Anruf, der Angst macht
Das Telefon klingelt. Auf dem Display steht der Name Ihrer Bank, vielleicht sogar die echte Telefonnummer, die Sie kennen. Eine freundliche Stimme sagt: "Guten Tag, hier ist die Sicherheitsabteilung Ihrer Bank. Wir haben eine verdächtige Abbuchung auf Ihrem Konto festgestellt." Ihr Herz schlägt schneller. Genau das wollen Betrüger erreichen.
Solche Anrufe sind keine Seltenheit. Sie richten sich an jeden, der ein Bankkonto hat, unabhängig vom Alter oder von der Erfahrung mit Online-Banking. Dieser Text erklärt, wie diese Anrufe funktionieren, woran Sie sie erkennen und was Sie tun, wenn Sie schon auf einen Betrüger hereingefallen sind.
Wie ein solcher Betrugsanruf abläuft
Die Telefonnummer kann gefälscht sein
Betrüger nutzen eine Technik namens Call-ID-Spoofing. Das bedeutet: Sie können am Telefon eine beliebige Nummer anzeigen lassen, auch die echte Nummer Ihrer Bank. Nur weil auf Ihrem Display der Name oder die Nummer Ihrer Bank erscheint, heißt das also nicht, dass wirklich Ihre Bank anruft. Verlassen Sie sich niemals allein auf die angezeigte Nummer.
Druck und Angst als Werkzeug
Betrüger setzen fast immer auf Eile. Sie hören Sätze wie: "Ihr Konto ist gerade jetzt gefährdet", "Wenn Sie nicht sofort handeln, verlieren Sie Ihr Geld" oder "Das muss in den nächsten Minuten passieren". Diese Eile ist Absicht. Wer unter Druck steht, denkt weniger nach und stellt weniger Fragen. Eine echte Bank gibt Ihnen immer Zeit zum Nachdenken.
Das eigentliche Ziel: Ihr Geld oder Ihr Code
Am Ende des Gesprächs wollen die Betrüger meist eines von zwei Dingen: Entweder sollen Sie einen Einmalcode (eine SMS oder eine Nachricht in der Banking-App mit einer kurzen Zahlenfolge, die eine Zahlung bestätigt) laut vorlesen. Oder Sie sollen Geld auf ein angeblich "sicheres Konto" überweisen, das die Bank angeblich für Sie eingerichtet hat. Beides ist immer ein Betrug. Eine echte Bank braucht diesen Code nie von Ihnen und hat kein "sicheres Konto" für Sie.
Beispiele für typische Gesprächsskripte
Betrüger folgen oft ähnlichen Mustern. Hier sind zwei Beispiele, wie ein solches Gespräch klingen kann:
"Guten Tag, hier spricht [Name] von der Betrugsprävention Ihrer Bank. Wir haben eine Zahlung über 850 Euro in [Stadt] blockiert. War das Ihre Zahlung?" Sagen Sie "Nein", geht es weiter: "Dann müssen wir Ihr Konto jetzt schützen. Ich sende Ihnen einen Code per SMS. Bitte lesen Sie ihn mir vor, damit ich die Betrugssperre aktivieren kann."
Oder: "Ihr Geld ist auf Ihrem jetzigen Konto nicht mehr sicher, weil es kompromittiert wurde. Wir haben ein neues, geschütztes Konto für Sie eingerichtet. Überweisen Sie Ihr Guthaben dorthin, damit es sicher ist."
Beide Szenarien sind erfunden. Es gibt kein "geschütztes Konto". Eine Bank fragt niemals nach einem Code, den sie Ihnen selbst gerade geschickt hat.
Warnzeichen, auf die Sie achten sollten
- Der Anrufer drängt auf eine sofortige Entscheidung, ohne Zeit zum Nachdenken zu lassen.
- Sie werden gebeten, einen Einmalcode oder eine TAN (eine Bestätigungsnummer für Überweisungen) am Telefon zu nennen.
- Man spricht von einem angeblich "sicheren" oder "geschützten" Konto, auf das Sie Geld überweisen sollen.
- Der Anrufer kennt erstaunlich viele persönliche Daten, wirkt aber trotzdem seltsam allgemein, wenn es um Details Ihres echten Kontos geht.
- Es wird mit Konsequenzen gedroht, etwa Kontosperrung oder Geldverlust, falls Sie nicht sofort handeln.
- Der Anrufer möchte, dass Sie eine Software installieren oder eine Fernwartung auf Ihrem Computer oder Smartphone zulassen.
Wichtig zu wissen: Eine echte Bank ruft Sie niemals an, um nach Ihrem PIN, Ihrem Passwort oder einem Einmalcode zu fragen. Das gilt ausnahmslos.
Was tun, wenn es bereits passiert ist
Vielleicht haben Sie schon einen Code genannt oder Geld überwiesen. Das ist unangenehm, aber Sie sind nicht allein, und es gibt Schritte, die jetzt helfen. Sie haben nichts falsch gemacht, indem Sie zunächst darauf hereingefallen sind - diese Betrüger sind darauf trainiert, überzeugend zu klingen.
Ein letzter Gedanke: Wenn Sie sich bei einem Anruf unsicher sind, ist es immer richtig, aufzulegen und selbst zurückzurufen. Eine echte Bank hat dafür Verständnis. Niemand wird Ihnen böse sein, weil Sie vorsichtig sind - im Gegenteil, genau das schützt Sie.