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MARKTKOMMENTAR

Großinsolvenzen auf Rekordhoch: Was das für Ihren Kredit bedeutet

Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland erreicht 2026 ein neues Hoch. Wir erklären, warum Banken bei Krediten genauer hinschauen — und was das für Kreditnehmer und Sparer bedeutet.

LH
Lukas Hoffmann · 4 September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Großinsolvenzen auf Rekordhoch: Was das für Ihren Kredit bedeutet
Das Wichtigste in Kürze
Warum das für die gesamte Kreditwirtschaft relevant ist
Kleine Unternehmen trifft es besonders hart
Was das konkret für Ihre Finanzen bedeutet
Für Kreditnehmer: Jetzt mehrere Angebote einholen lohnt sich doppelt

Rekordwert bei Großinsolvenzen: Das ist am 4. September bekannt geworden

Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand erreicht — das geht aus einer aktuellen Auswertung der Restrukturierungsberatung Falkensteg hervor, die am 4. September 2026 veröffentlicht wurde. Demnach meldeten 33 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro Insolvenz an — ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und ein weiterer Baustein in einer Serie, die 2025 bereits mit 94 Großinsolvenzen einen traurigen Rekord aufgestellt hatte. Der kumulierte Jahresumsatz der betroffenen Unternehmen stieg im ersten Halbjahr um rund 3 Prozent auf etwa 4,5 Milliarden Euro.

Am härtesten trifft es die Automobilindustrie: Sieben Großinsolvenzen entfielen im ersten Halbjahr allein auf Zulieferer und Hersteller aus diesem Sektor, gefolgt vom Einzelhandel und dem Maschinenbau. Analysten von Allianz Trade warnen zudem vor Dominoeffekten: Weil viele mittelständische Zulieferer und Dienstleister eng in die Wertschöpfungsketten der insolventen Großunternehmen eingebunden sind, drohen Folgeinsolvenzen entlang der gesamten Kette — von der Werkzeugmacherei bis zur Logistikfirma um die Ecke.

Warum das für die gesamte Kreditwirtschaft relevant ist

Diese Entwicklung ist kein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines größeren Trends, der die deutschen Banken bereits seit Monaten beschäftigt. Laut Kreditgutachten der KfW haben Banken im Euroraum ihre Kreditstandards für Firmenkredite im ersten Quartal 2026 erneut verschärft — mit einem besonders deutlichen Anstieg der Risikowahrnehmung bei deutschen Instituten, sowohl bei Firmen- als auch bei Verbraucherkrediten. Branchenschätzungen zufolge könnte die Ausfallquote bei Unternehmenskrediten 2026 erstmals seit der Finanzkrise die Marke von 2 Prozent überschreiten.

Für die Banken bedeutet das steigende Risikovorsorge und höhere Rückstellungen für notleidende Kredite (NPL). Schon im dritten Quartal 2025 lag die NPL-Quote bei Firmenkrediten kleinerer Institute bei 3,8 Prozent — ein Wert, der seither tendenziell weiter steigt. Banken reagieren darauf so, wie sie es historisch immer tun: Sie werden vorsichtiger, prüfen Kreditanträge genauer und verlangen höhere Risikoaufschläge, besonders in Branchen, die als konjunktursensibel gelten.

Kleine Unternehmen trifft es besonders hart

Wer als Inhaber eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens aktuell einen Kredit beantragt, spürt diesen Trend bereits im Beratungsgespräch. Der sogenannte KfW-ifo-Kredithürde-Indikator — der Anteil der Unternehmen, die eine restriktive Kreditvergabe der Banken melden — liegt für kleine und mittlere Unternehmen derzeit rund 10 Prozentpunkte über dem Wert für Großunternehmen. Auch die Erfolgsquote bei Kreditverhandlungen fällt für KMU 10 bis 15 Prozent niedriger aus. Wirtschaftlich bedeutet das: Wer ein solides, gut dokumentiertes Geschäftsmodell und ausreichende Sicherheiten vorweisen kann, bekommt weiterhin Finanzierung — wer knapp kalkuliert oder in einer der betroffenen Branchen (Automobilzulieferer, Einzelhandel, Bau) tätig ist, muss mit deutlich strengeren Auflagen, längeren Prüfprozessen und höheren Zinsaufschlägen rechnen.

Was das konkret für Ihre Finanzen bedeutet

Für Kreditnehmer: Jetzt mehrere Angebote einholen lohnt sich doppelt

In einem Marktumfeld, in dem Banken ihre Kreditrichtlinien verschärfen, unterscheiden sich die Konditionen zwischen einzelnen Instituten stärker als in ruhigeren Zeiten — je nach individueller Risikoeinschätzung der jeweiligen Bank kann der angebotene Zinssatz für denselben Kreditwunsch spürbar variieren. Wer aktuell einen Kredit plant, sollte deshalb nicht das erste Angebot der Hausbank akzeptieren, sondern gezielt vergleichen: Wie hoch ist der effektive Jahreszins, welche Sicherheiten werden verlangt, wie lange dauert die Bearbeitung? Das gilt genauso für die Baufinanzierung — auch hier prüfen Banken Bonität und Eigenkapitalquote inzwischen strenger, weil auch im Gewerbeimmobiliensektor die Ausfallrisiken gestiegen sind.

Wer selbstständig ist oder ein kleines Unternehmen führt, sollte zudem die eigene Bonitätsdokumentation auf den neuesten Stand bringen, bevor der Finanzierungsbedarf akut wird: aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen, ein realistischer Liquiditätsplan und — wenn möglich — mehrere unabhängige Bankbeziehungen erhöhen die Verhandlungsposition erheblich, gerade wenn eine Bank aus Vorsicht ablehnt.

Für Sparerinnen und Sparer: Grund zur Sorge um die eigenen Einlagen besteht nicht

Wer jetzt Nachrichten über steigende Firmenpleiten und wachsende Risikovorsorge bei Banken liest, fragt sich womöglich, ob das eigene Ersparte in Gefahr ist. Hier gibt es Entwarnung: Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Guthaben auf Girokonten, Sparkonten und Festgeldkonten bei jeder in der EU zugelassenen Bank bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Institut — unabhängig davon, wie sich die Kreditrisiken einzelner Bankkunden entwickeln. Steigende Ausfälle bei Firmenkrediten sind für etablierte, breit aufgestellte Banken ein Ergebnis- und Ertragsthema, kein Solvenzrisiko im Sinne einer akuten Gefährdung der Einlagen. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen möchte, kann größere Beträge über mehrere Institute streuen — eine Vorsichtsmaßnahme, die in wirtschaftlich unruhigeren Phasen ohnehin sinnvoll ist.

Fazit: Wachsam bleiben, aber nicht in Panik verfallen

Der neue Rekord bei Großinsolvenzen ist ein deutliches Signal dafür, dass sich Teile der deutschen Wirtschaft — allen voran die Automobilbranche — in einer ernsten strukturellen Anpassung befinden. Für Verbraucher und Unternehmer bedeutet das vor allem eines: Kreditentscheidungen werden komplexer und die Konditionen unterschiedlicher Anbieter driften weiter auseinander. Wer jetzt eine Finanzierung plant, fährt am besten mit einem sorgfältigen Vergleich mehrerer Angebote und einer soliden eigenen Bonitätsvorbereitung. Für Sparerinnen und Sparer gilt dagegen: Die Einlagensicherung funktioniert unabhängig von der konjunkturellen Lage einzelner Branchen — ein Grund, in unruhigen Zeiten übereilte Entscheidungen zu vermeiden, aber die eigene Bank- und Kreditstrategie ruhig einmal neu zu prüfen.

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Lukas Hoffmann
Finanzexperte