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MARKTKOMMENTAR

PFOF-Verbot zeigt Wirkung: Scalable Capital erhöht Gebühren

Seit 1. September 2026 kostet Handel bei Scalable Capital über Gettex und Xetra mehr. Was das EU-weite PFOF-Verbot für Anleger und Sparer wirklich bedeutet.

RB
Redaktion BankSorter · 7 September 2026 · 6 Min. Lesezeit
PFOF-Verbot zeigt Wirkung: Scalable Capital erhöht Gebühren
Das Wichtigste in Kürze
→ Was sich bei Scalable Capital konkret ändert
→ Warum das mehr ist als eine Randnotiz für Kleinanleger
→ Was das für Ihre Geldanlage und Ihr Erspartes bedeutet
→ Wie Sie jetzt am besten reagieren

Wer in dieser Woche bei Scalable Capital eine Order über Gettex oder Xetra aufgegeben hat, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben: Seit dem 1. September 2026 kostet ein Trade über diese Handelsplätze plötzlich 1,99 Euro statt zuvor 0,99 Euro (Gettex) beziehungsweise 3,99 Euro (Xetra). Was auf den ersten Blick wie eine beliebige Preisanpassung eines einzelnen Brokers aussieht, ist in Wirklichkeit die erste sichtbare Folge einer viel größeren regulatorischen Zäsur: des EU-weiten Verbots von Payment for Order Flow (PFOF), das seit dem 1. Juli 2026 ausnahmslos gilt. Zwei Monate nach dem Stichtag zeigt sich nun, was viele Beobachter befürchtet hatten - die kostenlose oder extrem günstige Trading-Ära, wie wir sie kannten, geht zu Ende.

Was war Payment for Order Flow überhaupt?

Payment for Order Flow bezeichnete ein Modell, bei dem Neobroker wie Scalable Capital oder Trade Republic die Kauf- und Verkaufsaufträge ihrer Kundinnen und Kunden nicht zwingend an den Handelsplatz mit dem besten Preis weiterleiteten, sondern an bestimmte Market Maker - und dafür eine Rückvergütung kassierten. Diese Rückvergütungen waren über Jahre der eigentliche Grund, warum viele Apps Order für unter einem Euro oder sogar kostenlos anboten. Verbraucherschützer und die europäische Wertpapieraufsicht ESMA kritisierten das Modell seit Langem: Es schaffe einen Interessenkonflikt, weil der Broker nicht zwingend im besten Interesse seiner Kunden handle, sondern dorthin route, wo die Rückvergütung am höchsten ausfällt. Mit der überarbeiteten EU-Finanzmarktverordnung (MiFIR) ist diese Praxis nun EU-weit untersagt - ein Schritt, den BaFin und Bundesbank ausdrücklich begrüßt haben.

Was sich bei Scalable Capital konkret ändert

Für Kundinnen und Kunden von Scalable Capital bedeutet das ganz praktisch: Wer im kostenlosen "Free Broker"-Tarif handelt, zahlt künftig einheitlich 1,99 Euro pro Order über Gettex und Xetra - vorher waren es 0,99 Euro auf Gettex und sogar 3,99 Euro auf Xetra. Die Preise wurden also teilweise angeglichen, teilweise deutlich verteuert. Wer stattdessen über den hauseigenen Handelsplatz EIX ordert, zahlt weiterhin nur 0,99 Euro. Im kostenpflichtigen Abo "Prime+" für 4,99 Euro im Monat sind Orders ab 250 Euro über EIX zwar weiterhin gebührenfrei, auf Gettex und Xetra fallen aber auch dort die 1,99 Euro an. Wer regelmäßig kleinere Beträge über die "klassischen" Börsenplätze investiert, zahlt also spürbar mehr als noch im August.

Auch bei anderen Neobrokern ist Bewegung im Markt: justTRADE hat seine Preisliste bereits zum 1. Juli komplett umgestellt und verlangt inzwischen eine Grundgebühr von 2,90 Euro statt vorher effektiv rund einem Euro. Trade Republic hat bislang keine vergleichbar drastische Änderung an der Grundgebühr angekündigt, prüft laut eigenen Aussagen aber, künftig verstärkt als eigener Market Maker aufzutreten - was in der Praxis heißen kann, dass Kosten nicht mehr über eine sichtbare Ordergebühr, sondern über die Handelsspanne (Spread) zwischen An- und Verkaufskurs anfallen. Das ist für Anlegerinnen und Anleger tückischer, weil es in keiner Gebührentabelle auftaucht.

Warum das mehr ist als eine Randnotiz für Kleinanleger

Auf den ersten Blick klingt ein Euro mehr pro Order nach Kleingeld. Doch wer monatlich per Sparplan investiert oder häufiger kleinere Beträge nachkauft, spürt den Unterschied schnell: Bei zwölf Trades im Jahr macht die Erhöhung von 0,99 auf 1,99 Euro pro Order zwölf Euro zusätzliche Kosten aus - bei kleinen Ordervolumen ein spürbarer Anteil der Rendite. Und genau das war der eigentliche Sinn des kostenlosen Trading-Versprechens vieler Neobroker: Menschen mit kleinerem Budget den Einstieg in die Geldanlage zu erleichtern. Wenn diese Kalkulation jetzt neu aufgestellt werden muss, lohnt sich für viele ein genauerer Blick auf die Gesamtkosten - nicht nur auf die reine Ordergebühr, sondern auch auf Depotführung, Fremdkostenpauschalen und eben mögliche Spreads.

Was das für Ihre Geldanlage und Ihr Erspartes bedeutet

Interessant wird die Entwicklung auch für alle, die ihr Geld gar nicht in Wertpapiere, sondern klassisch in Zinsprodukte stecken. Viele Neobroker, darunter auch Scalable Capital und Trade Republic, haben in den vergangenen Jahren attraktive Zinsen auf nicht investiertes Cash-Guthaben als Lockmittel eingesetzt, um Kundinnen und Kunden überhaupt erst zu gewinnen. Wenn das Ordergeschäft durch das PFOF-Verbot an Profitabilität verliert, ist nicht auszuschließen, dass Anbieter an anderer Stelle nachjustieren - etwa bei den Habenzinsen auf Verrechnungskonten. Wer sein Geld also aktuell primär wegen der Zinsen bei einem Neobroker liegen hat, sollte die Konditionen regelmäßig neu vergleichen, statt sich auf einen einmal geprüften Bestwert zu verlassen. Ein Blick auf aktuelle Angebote für Sparkonten oder klassische Festgeld- und Tagesgeldeinlagen bei etablierten Banken zeigt oft, dass sich die Zinslandschaft schneller verschiebt, als man denkt - und dass ein Neobroker-Verrechnungskonto nicht automatisch die beste Adresse für Rücklagen sein muss.

Ähnliches gilt für alle, die ihr Wertpapierdepot bislang bewusst mit einem kostenlosen Girokonto beim selben Anbieter gebündelt haben, um Gebühren zu sparen. Steigen die Handelskosten, lohnt sich ein unabhängiger Vergleich der eigentlichen Kontoführung - etwa über eine Übersicht aktueller Girokonten-Angebote -, um zu prüfen, ob das Gesamtpaket aus Konto und Depot beim aktuellen Anbieter noch das günstigste ist oder ob eine Trennung von Zahlungsverkehr und Wertpapierhandel inzwischen mehr Sinn ergibt.

Wie Sie jetzt am besten reagieren

Drei konkrete Schritte helfen, die eigene Position nach der Preisänderung neu einzuordnen:

  • Handelsplatz bewusst wählen: Bei Scalable Capital bleibt der hauseigene EIX-Handelsplatz mit 0,99 Euro deutlich günstiger als Gettex oder Xetra - für die meisten liquiden ETFs und Standardaktien ist das keine Einschränkung.
  • Sparplan-Frequenz prüfen: Wer monatlich kleine Beträge investiert, sollte durchrechnen, ob ein Wechsel auf einen größeren, selteneren Sparplanbeitrag die neuen Fixkosten prozentual senkt.
  • Cash-Guthaben nicht vergessen: Zinsen auf das Verrechnungskonto sind kein Naturgesetz - ein regelmäßiger Vergleich lohnt sich gerade jetzt, wo sich die Ertragsmodelle der Broker verschieben.

Fazit

Das PFOF-Verbot war überfällig - es beseitigt einen strukturellen Interessenkonflikt zwischen Broker und Kundschaft. Die Kehrseite zeigt sich jetzt aber ganz konkret im Portemonnaie: Scalable Capital hat als einer der ersten großen Namen die Ordergebühren spürbar angehoben, andere Anbieter werden mittelfristig folgen oder ihre Kosten stiller über Spreads erhöhen. Für Sparerinnen und Sparer heißt das: Jetzt ist ein guter Moment, die eigene Bank- und Depotlandschaft komplett neu zu sortieren - Ordergebühren, Kontoführung und Zinsen auf liegendes Geld gehören dabei zusammen betrachtet, nicht isoliert. Nutzen Sie einen unabhängigen Vergleich, um herauszufinden, ob Ihr aktuelles Setup aus Depot, Girokonto und Rücklagen noch zu Ihnen passt - oder ob sich nach dieser Preisrunde ein Wechsel lohnt.

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