Ab dem 1. November 2026 stellt die Sparkasse Dachau ihr komplettes Girokonto-Angebot um – und sie ist damit kein Einzelfall. Statt eines einzigen Pauschalpreises für Online- oder klassisches Konto treten vier neue Modelle namens „Giro Privat", „Giro Privat Klassik", „Giro Privat Komfort" und „Giro Privat Premium" an die Stelle der bisherigen Tarife. Das Prinzip, das sich hinter den neuen Namen verbirgt, ist für viele Kundinnen und Kunden deutlich teurer als gedacht: Wer mehr Buchungen macht als im Tarif enthalten sind, zahlt pro zusätzlicher Überweisung, Lastschrift oder Kartenzahlung extra. Ähnliche Umstellungen auf eine Abrechnung nach Buchungsposten laufen seit Monaten bei weiteren Sparkassen quer durch die Republik – die Dachauer Variante ist damit ein Beispiel für einen Trend, der 2026 branchenweit an Fahrt gewinnt.
Was genau sich ändert
Bislang kannten viele Sparkassen-Kunden ein einfaches Prinzip: ein Grundpreis im Monat, egal wie oft das Konto bewegt wird. Das neue Modell koppelt den Preis stärker an die tatsächliche Nutzung. Die vier neuen Tarife der Sparkasse Dachau zeigen das Muster exemplarisch:
- Giro Privat: 3,00 Euro Grundpreis im Monat, keine Buchungsposten inklusive, jede weitere Buchung kostet 0,50 Euro.
- Giro Privat Klassik: 7,50 Euro im Monat, 20 Buchungsposten inklusive, danach 0,40 Euro pro Posten.
- Giro Privat Komfort: 9,50 Euro im Monat, 30 Buchungsposten inklusive, danach 0,30 Euro pro Posten.
- Giro Privat Premium: 14,50 Euro im Monat, 50 Buchungsposten inklusive, danach 0,20 Euro pro Posten.
Als Buchungsposten zählen in der Regel ausgehende Überweisungen, Lastschriften, Dauerauftragsausführungen und teils auch Kartenzahlungen – eingehende Gutschriften werden meist nicht mitgezählt, das variiert aber von Institut zu Institut und sollte im individuellen Preis- und Leistungsverzeichnis nachgelesen werden. Zusätzlich bleiben Sonderleistungen wie beleghafte Überweisungen am Schalter, Überweisungen am SB-Terminal oder Bargeldauszahlungen außerhalb der eigenen Filiale oft weiterhin separat kostenpflichtig, unabhängig vom gewählten Modell.
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis
Wie stark sich das auswirken kann, zeigt ein Fall, der in den vergangenen Tagen die Runde machte: Ein langjähriger Kunde, der bislang im klassischen Modell für 7,50 Euro im Monat ein Konto mit großzügiger Buchungsmenge nutzte, kommt unter dem neuen System auf geschätzte 30 Euro monatlich – weil er regelmäßig deutlich mehr als 20 oder 30 Buchungen im Monat auslöst, etwa durch mehrere Daueraufträge, Rechnungen für ein kleines Gewerbe oder schlicht durch viele einzelne Kartenzahlungen, die als Buchungsposten gewertet werden. Auf das Jahr gerechnet sind das nach übereinstimmenden Berichten rund 300 bis 400 Euro mehr Kontokosten – ohne dass sich an der eigentlichen Nutzung irgendetwas geändert hätte.
Warum Institute jetzt auf Buchungsposten umstellen
Der Hintergrund ist nicht spezifisch für Dachau, sondern ein strukturelles Problem der gesamten Branche. Pauschalpreise bedeuten für die Bank, dass Vielnutzer quersubventioniert werden von Kundinnen und Kunden, die ihr Konto kaum bewegen. Je digitaler und automatisierter der Zahlungsverkehr wird – Daueraufträge, wiederkehrende Lastschriften, Mehrfach-Kartenzahlungen im Alltag –, desto teurer wird die Verarbeitung pro Konto für die Bank, ohne dass sich das im alten Pauschalpreis widerspiegelt. Buchungsposten-Modelle verschieben diese Kosten direkt zu denjenigen, die sie verursachen. Für die Institute ist das betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, für viele Kunden aber eine unangenehme Überraschung, weil die Umstellung oft über ein eher unauffälliges Anschreiben zur Preisänderung kommuniziert wird – und die Details erst im Preis- und Leistungsverzeichnis sichtbar werden.
Was das für Ihre eigenen Finanzen bedeutet
Ob die Umstellung für Sie teurer oder günstiger wird, hängt fast ausschließlich von Ihrem persönlichen Buchungsverhalten ab – nicht vom Kontostand oder vom bisherigen Tarifnamen. Zwei Gruppen zeigen sich besonders deutlich:
Wer draufzahlt
Besonders betroffen sind Kundinnen und Kunden mit vielen kleinen Kartenzahlungen im Alltag, mit mehreren parallelen Daueraufträgen (Miete, Versicherungen, Sparpläne, Streaming-Abos), oder Kleinunternehmer und Freiberufler, die ihr privates Konto auch für regelmäßige Rechnungen nutzen. Wer zehn oder mehr Buchungen pro Monat über das enthaltene Kontingent hinaus auslöst, merkt den Unterschied schnell im zweistelligen Euro-Bereich – im Jahr läppert sich das, wie das Beispiel oben zeigt, auf mehrere Hundert Euro.
Wer kaum betroffen ist
Wer sein Konto nur sparsam nutzt – wenige Überweisungen, ein oder zwei Daueraufträge, kaum Kartenzahlungen über das Girokonto direkt – kann im günstigsten Modell mit 3 Euro Grundpreis sogar besser fahren als im alten Pauschaltarif. Das neue System ist also nicht per se eine Preiserhöhung für alle, sondern eine Umverteilung der Kosten nach Nutzungsintensität.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
Wenn Ihre eigene Bank eine ähnliche Umstellung angekündigt hat oder ankündigt, lohnt sich ein kurzer, aber systematischer Check, bevor Sie einer Preisänderung zustimmen oder sie unwidersprochen hinnehmen:
- Zählen Sie anhand der letzten drei bis vier Kontoauszüge, wie viele Buchungsposten Sie im Schnitt pro Monat tatsächlich auslösen – nicht schätzen, sondern nachzählen.
- Prüfen Sie im aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Bank genau, was als Buchungsposten zählt und was nicht – die Definitionen unterscheiden sich von Institut zu Institut.
- Bündeln Sie, wo möglich, Daueraufträge und Lastschriften, um die Zahl der Einzelbuchungen zu senken, etwa durch Sammelüberweisungen statt vieler Einzelzahlungen.
- Vergleichen Sie Ihr neues Angebot nüchtern mit anderen Kontomodellen – auch digitale Anbieter ohne Buchungsposten-Logik gehören auf die Vergleichsliste. Ein strukturierter Girokonto-Vergleich zeigt in wenigen Minuten, ob Ihr bisheriges Institut nach der Umstellung noch wettbewerbsfähig ist oder ob ein Wechsel günstiger wäre.
- Denken Sie bei der Gelegenheit auch über die andere Seite Ihrer Bankbeziehung nach: Geld, das ungenutzt auf dem Girokonto liegt, bringt ohnehin keine Zinsen. Ein Blick auf aktuelle Sparkonten oder klassische Einlagenprodukte kann sich lohnen, um Rücklagen vom teurer werdenden Girokonto zu trennen und gleichzeitig etwas Rendite mitzunehmen.
Wichtig zu wissen: Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2021 reicht bloßes Schweigen nicht aus, um einer Preis- oder Vertragsänderung zuzustimmen. Banken müssen Kundinnen und Kunden aktiv informieren, und diese müssen der Änderung in der Regel ausdrücklich zustimmen – wer nicht reagiert, bleibt im alten Vertrag, bis die Bank das Konto ordentlich kündigt oder eine andere wirksame Regelung greift. Es lohnt sich also, Schreiben zu Kontoänderungen nicht einfach abzuheften, sondern aktiv zu prüfen und gegebenenfalls Rückfragen zu stellen oder zu widersprechen.
Fazit: Nachrechnen schützt vor Überraschungen
Die Umstellung auf Buchungsposten-Modelle ist kein Dachauer Sonderfall, sondern Teil einer branchenweiten Neuausrichtung der Preismodelle bei Sparkassen in Deutschland. Für Vielnutzer kann sie mehrere Hundert Euro im Jahr zusätzlich kosten, für sparsame Kontoinhaber dagegen sogar eine Entlastung bedeuten. Entscheidend ist, dass Sie Ihr eigenes Buchungsverhalten kennen, bevor Sie eine neue Preisstruktur akzeptieren. Nehmen Sie sich die zehn Minuten Zeit, Ihre letzten Kontoauszüge durchzugehen, und nutzen Sie anschließend einen unabhängigen Vergleich der Girokonto-Angebote, um zu sehen, ob Ihr Institut nach der Preisumstellung noch mithalten kann – oder ob ein Wechsel für Ihr persönliches Nutzungsprofil die bessere Entscheidung ist.