Was ist ein Dispokredit?
Ein Dispokredit – auch Überziehungskredit genannt – ist ein kleiner Kredit, der automatisch mit deinem Girokonto verbunden ist. Das Girokonto ist das Konto, über das du täglich Geld ein- und auszahlst, zum Beispiel für Einkäufe oder Miete. Beim Dispokredit musst du nichts extra beantragen und nichts unterschreiben, um ihn zu nutzen. Sobald die Bank ihn einmal eingerichtet hat, kannst du mehr Geld ausgeben, als tatsächlich auf deinem Konto liegt. Dein Kontostand rutscht dann ins Minus.
Dieses Minus auf dem Konto ist in Wirklichkeit ein Kredit. Die Bank leiht dir das Geld, das fehlt. Dafür verlangt sie Zinsen – also eine Gebühr dafür, dass du ihr Geld benutzt.
Wie funktionieren Zinsen und Gebühren beim Dispokredit?
Bei einem Dispokredit zahlst du Zinsen nur für die Tage, an denen dein Konto tatsächlich im Minus ist, und nur für den Betrag, um den es im Minus ist. Steht dein Konto heute bei minus 200 Euro und morgen wieder bei null, zahlst du Zinsen nur für diesen einen Tag und nur für diese 200 Euro.
Das klingt erst einmal fair. Das eigentliche Problem ist der Zinssatz – also der Prozentsatz, der pro Jahr auf den Minusbetrag berechnet wird. Beim Dispokredit ist dieser Satz fast immer deutlich höher als bei anderen Kreditarten. Wie hoch er genau ist, legt jede Bank selbst fest, und er kann sich auch ändern. Wichtig zu wissen: Das Prinzip „Dispo ist teuer“ gilt grundsätzlich, unabhängig davon, bei welcher Bank du bist.
Warum ist ein Dispokredit teurer als ein normaler Ratenkredit?
Ein normaler Ratenkredit – ein Kredit mit festen monatlichen Raten – wird genau geplant: Du bekommst einen festen Betrag, zum Beispiel für eine größere Anschaffung, und zahlst ihn in festen, von Anfang an bekannten Raten über mehrere Monate oder Jahre zurück. Die Bank kennt den genauen Betrag und die genaue Laufzeit und kann das Risiko dadurch gut einschätzen. Das spiegelt sich normalerweise in einem niedrigeren Zinssatz.
Ein Dispokredit funktioniert anders. Die Bank weiß nicht, wie lange du ihn nutzt, wie hoch der Betrag am Ende wird oder wie sicher die Rückzahlung ist. Dieses Risiko und diese Unsicherheit lässt sie sich mit einem deutlich höheren Zinssatz bezahlen. Außerdem ist der Dispokredit extrem bequem – du musst nichts beantragen, nichts unterschreiben und keine Unterlagen einreichen. Diese Bequemlichkeit hat ihren Preis.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Hier ein stark vereinfachtes Beispiel mit runden Zahlen. Es ist kein echtes Angebot irgendeiner Bank, sondern dient nur der Veranschaulichung.
Angenommen, du überziehst dein Konto einen ganzen Monat lang um 1.000 Euro. Der Zinssatz für den Dispokredit liegt in diesem Beispiel bei 15 Prozent pro Jahr. Für einen Monat sind das ungefähr 15 Prozent geteilt durch 12, also etwa 1,25 Prozent. Das wären rund 12,50 Euro Zinsen für diesen einen Monat.
Ein normaler Ratenkredit für den gleichen Betrag könnte in diesem Beispiel einen Zinssatz von 6 Prozent pro Jahr haben. Für einen Monat wären das nur etwa 5 Euro. Der Unterschied – in diesem vereinfachten Beispiel mehr als das Doppelte – zeigt, warum sich ein Dispokredit über längere Zeit richtig teuer anfühlen kann. Je länger das Konto im Minus bleibt, desto mehr summieren sich die Zinsen.
Diese Zahlen sind frei gewählt, um das Prinzip zu zeigen. Die tatsächlichen Zinssätze bei echten Banken und echten Krediten können höher, niedriger oder anders zusammengesetzt sein.
Wann wird der Dispokredit zur Dauerlösung?
Ein Dispokredit ist eigentlich für kurze Engpässe gedacht – zum Beispiel, wenn das Gehalt erst in drei Tagen kommt, eine Rechnung aber heute fällig ist. Für ein paar Tage im Minus zu sein, kostet meist nicht viel.
Problematisch wird es, wenn das Konto dauerhaft oder immer wieder im Minus ist. Das passiert oft schleichend: Jeden Monat bleibt ein kleiner Betrag im Minus übrig, der nie ganz ausgeglichen wird. Weil die Nutzung so einfach ist und man nichts dafür aktiv „tun“ muss, merken viele Menschen gar nicht, wie viele Zinsen sich über Monate oder Jahre ansammeln.
Ein Hinweis darauf, dass der Dispokredit zur Dauerlösung geworden ist: Das Konto steht fast nie mehr bei null oder im Plus, selbst kurz nach dem Gehaltseingang nicht. In diesem Fall lohnt es sich, über eine andere Lösung nachzudenken – zum Beispiel einen normalen Ratenkredit mit festem Betrag und festen, niedrigeren Raten, um bestehende Schulden geordnet und günstiger abzubauen. Auf /kredite findest du einen Überblick, wie solche Ratenkredite grundsätzlich aufgebaut sind.